Allgäu Panorama MarathonAllgäu Panorama Marathon

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Es gibt schlechtere Zeltplätze

Jetzt, wo ich so nah an den Alpen lebe war es ja nur eine Frage der Zeit, bis ich mich zu meinem ersten Lauf in den Bergen anmelden würde. Zwei Monate Vorlauf schien mir genug, um den Allgäu-Panorama-Marathon in Angriff zu nehmen. Es sind schliesslich nur 42km und mit ein bisschen Höhentraining kriege ich auch die Steigungen bewältigt. Dachte ich. Nunja, wieder ein klassischer Fall von Selbstüberschätzung. Bei meinen langen Bergläufen in den Tegernseer Bergen ging es noch ganz gut. Aber der letzte solche Lauf war ganze vier Wochen vor dem Rennen. Sonst bin ich eher im flachen Münchner Umland unterwegs gewesen, oder wenn in den Alpen, dann zum Wandern. Aber, wie sagt man hier so schön: „Passt scho‘!“. Also war ich kurz vor dem Wochenende schon ganz kribbelig voller Vorfreude, zumal das Wetter super werden sollte und ich mir schon vorgenommen habe einfach nur anzukommen und unterwegs soviel Spaß wie möglich zu haben.

Ich wollte auf dem Campingplatz an der Iller mein Zelt aufschlagen, weil es preislich aufs selbe rauskam wie die vom Veranstalter angebotene Turnhallenübernachtung. Und so hatte ich praktisch ein Einzelzimmer und nicht laute(r) Schnarcher um mich herum. Leider stellte sich raus, dass nach vier Jahren Nichtbenutzung und vielleicht unsachgemäßer Lagerung mein Zelt nicht mehr in perfektem Zustand war. Ausserdem war der Zeltplatzboden massiv festgetretener Schotter, so dass das Einbringen der Heringe nicht so geklappt hat wie geplant. War etwas wackelig, aber für eine Nacht wirds wohl reichen.

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Es ist nicht das Hilton…

Ich bin dann auch am Samstag früh schlafen gegangen weil ich mir morgens um 6 den Start der Ultra-Läufer ansehen wollte (70km). Ausserdem gab es im Startbereich schon sehr früh Kaffee und Brez’n und das war die einzige Möglichkeit mit genügend Abstand vor meinem eigenen Start um 8 ein gescheites Frühstück einzunehmen.

Nach dem Ultrastart bin ich nochmal zurück zum Zeltplatz, habe mich umgezogen, gefährdete Stellen ordentlich mit Vaseline geschmiert und eine dicke Schicht Sonnenschutz aufgetragen. Es war nämlich bereits um diese Uhrzeit absehbar, dass der Tag sonnig und heiss werden würde. Am Start habe ich dann meinen Turnbeutel mit Wechselklamotten abgegeben, der zum Ziel am Wonnemar Bad transportiert wurde. Als ich allerdings meine Garmin angemacht habe, um schonmal die Satellitenverbindung herzustellen, der erste Schock des Tages: „Low Battery“. Hmpf! Ich hatte die doch nach meinem Lauf am Freitag noch komplett aufgeladen. Beim Transport im Rucksack muss wohl etwas auf den Startknopf gedrückt haben. Auf jeden Fall war ich jetzt ohne Zeit, Entfernung und Pace Information. Also heute mal nach Gefühl laufen. Und, zugegeben, es war überaus entspannt. Ich habe zwar unterwegs zwei- dreimal einen Mitläufer nach der Uhrzeit gefragt, aber ohne diese ständige, elektronische Erinnerung, wie schlecht man gerade ist, geht es auch ganz gut.

Countdown and ready to go! Die ersten zwei Kilometer gingen entlang der Iller zum Warmlaufen auf flachen, breiten Schotterwegen. Es gab kein Gedränge, keine Kämpfe um vordere Positionen. Alles ging sehr gesittet und freundlich zu. Die ersten Schritte zu einem schönen Tag in den Allgäuer Alpen. Am Ortsausgang ging es dann sofort in den langen Anstieg. Ich hatte vorher das Höhenprofil der Strecke akribisch studiert und wusste in etwa, was auf mich zukommt: Stetiger Anstieg von 750m auf etwa 1660m bei Kilometer 12,5. Das meiste war laufbar, aber auch um meine Kräfte zu sparen und weil es auf den Singletrailabschnitten nicht gut möglich war zu überholen, bin ich einige Höhenmeter gegangen. Zwischendurch kamen immer wieder kurze Abschnitte zum entspannen, aber nur um kurz darauf wieder mit einer noch heftigeren Steigung zu kontern. Während ich es gewohnt bin, dass auf den ersten paar Kilometern eines Marathons noch viel gequatscht wird, war hier das genaue Gegenteil der Fall. Ausser gelegentlichen Verfluchungen des Berges war nur Schnaufen zu hören. Aber diese Aussicht! Immer wieder konnte man weit in die Allgäuer Alpen hineinblicken, auf Seen und Siedlungen im Tal herabsehen und sich an den satten, grünen Wiesen mit ebenso satten, aber braunen Kühen erfreuen. Das ließ einen den Schmerz (fast) vergessen.

Nach dem höchsten Punkt der Strecke, vorbei an verwaisten Skiliften, ging es ebenso steil wieder bergab, wie wir vorher hoch gelaufen sind. Auf Geröll und Serpentinen versuchte jeder der Versuchung der Gravitation zu widerstehen und ohne Verletzung nach unten zu laufen oder rutschen. Wer dachte, er könnte sich auf dem abschüssigen Stück erholen und seine Beine etwas entspannen hat sich geirrt. Und kaum war man heil unten angekommen, ging es auch schon wieder bergan. Bis km 17 ging es nun wieder hoch. Erstaunlich, wieviele Zuschauer sich hier oben auf den Berg verirrt haben. Immer wieder standen Leute am Rand und haben einen angefeuert. Das war eine tolle Atmosphäre. Nach dem letzten Gipfel (für etliche Kilometer zumindest) ging es über einen Grat wieder abwärts in Richtung Grasgehren. Dort gab es Vollverpflegung mit Wasser, Iso, Cola, Obst und Kuchen(!), sowie eine willkommene Abkühlung aus dem Gartenschlauch. An dieser Stelle muss ich ein Riesenlob an die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer aussprechen, die den ganzen Tag an der Strecke standen und uns Verrückte mit aufmunternden Worten und reichlich Essen und Trinken versorgt haben. Man hatte das Gefühl, die hatten mindestens genauso viel Spaß, wie die Läufer.

Going Up...

Aufwärts durch grüne Wiesen

Kurz nach Grasgehren trennten sich Ultra- und Marathonstrecke. An dieser Stelle war ich schon reichlich geschlagen und konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, jetzt noch 50 Kilometer vor mir zu haben. Zum Glück waren es ja nur noch 23 für mich. Und jetzt ging es erstmal bergab, bergab, bergab. Von 1540m auf 760m verteilt auf knapp 11km. Leider endete hier auch der Trailteil des Laufs. Der größte Teil des Weges war nun Asphalt und Schotter. Meine Waden fanden das gar nicht lustig, ausserdem ist das echt langweilig. Zu allem Überfluss knallte hier auch noch die Sonne ganz ordentlich, so dass der Abstieg für mich der Anfang vom Ende war.

Endlich nach einer gefühlten Ewigkeit im Tal angekommen gab es dann wieder einen längeren, gut laufbaren flachen Abschnitt, allerdings immer noch auf Asphalt. Hier bin ich ein Stück mit Larry aus New Jersey, USA, mitgelaufen. Wir haben ein bisschen gequatscht und wie sich rausstellte war das sein erster Lauf auf Trails. Und New Jersey ist auch nicht gerade für seine Berge berühmt. Er hat sich aber wacker geschlagen und mich am nächsten Anstieg ganz locker abgehängt. Ich hab ihn und seine Familie erst im Ziel wiedergetroffen. Auf Facebook hat er später geschrieben: „Dieser Kurs gekickt meinen Hintern.“ Recht hat er!

Die nächsten Kilometer ab der Talstraße bogen dann in ein schattiges Waldstück ein, wo es auch wieder ein bisschen bergauf ging, aber der Hammer kam kurze Zeit später in Obermaiselstein. Plötzlich ging es links einen Wiesenhang hoch, in der prallen Sonne. Da mir meine Zeit inzwischen sowieso schon egal war, bin ich dort gemütlich hochmarschiert. Von oben ging es dann mehr oder weniger flach über einen schönen Trampelpfad im Wald. Und da kamen die ersten Krämpfe. Vor allem auf dem Spann und auf dem Schienbein, was wahrscheinlich lustig aussah, wie ich dort durch die Bäume gehumpelt bin. Aber immer wieder dehnen, gehen, laufen, dehnen, gehen, laufen hat leidlich funktioniert. Leider konnte ich ab dort (etwa 10km vor dem Ziel) keine längeren Abschnitte mehr laufen ohne zu verkrampfen. Was besonders ärgerlich war, da es an Energie eigentlich nicht mangelte. Auf der langen Zielgeraden entlang des Illerdamms war ich aber scheinbar nicht der einzige mit diesem Problem. Ich fand mich in einer Gruppe von mehreren Läufern/Gehern wieder, die wir uns jeweils abwechslend einander überholt haben. Mit Detlev aus Schwaben habe ich dann auch länger reden können. Er war etwas unglücklich über seine Leistung, aber wir haben dann beschlossen die letzten zwei Kilometer zusammen zu verquatschen und gemeinsam ins Ziel zu laufen. Es ging ja sowieso nur noch darum, das Ding nach Hause zu bringen.

Nach 5 Stunden und 9 Minuten waren wir auch endlich über die Linie am Wonnemar in Sonthofen. Ein persönlicher Händedruck vom Organisator Axel Reusch (super Arbeit, übrigens!) und eine Medaille abgeholt und nix wie zum Bierstand! Schliesslich gab es vom Sponsor Zötler Bier alkoholfreies Weizen für alle Läufer. Das hatten wir uns aber auch wirklich verdient!

Was habe ich an diesem Wochenende gelernt:

  • Meinen Energiehaushalt hab ich scheinbar im Griff, aber wegen der Krämpfe muss ich nochmal ins Testlabor
  • Laufen ohne digitale Zeitmesser ist auch mal ganz schön
  • Die Steigungen habe ich eigentlich ganz gut bewältigt, aber…
  • Bergab laufen ist nicht meine Stärke
  • Man kann auch Spass haben wenn es mal nicht so läuft

Zum Ende nochmal ein dickes Lob an die Organisation und die vielen freiwilligen Helfer! Alles klappte reibungslos und entspannt. Die Atmosphäre war schon fast familiär, was mir auch viele Mitläufer bestätigt haben. Nur der Kurs gefiel mir auf der zweiten Hälfte nicht so toll (Asphalt!!). Muss ich wohl nächstes Jahr den Ultra laufen, der soll besser sein.

Und um mit Sepp Herberger zu sprechen: Nach dem Marathon ist vor dem Marathon. Also geht es diese Woche wieder raus zum Training, in fünf Wochen ist Voralpenmarathon (52km) und im Oktober gehts dann auf den Brocken zum Harzgebirgslauf. No rest for the wicked!

Hier ein Link zum Streckenverlauf:

GPSies - MRUN Allgäu Panorama Marathon 2013 42,2km, 1.412Hm

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There are worse camp sites

Now that I’m living so close to the Alps, it was just a matter of time when I would try my first alpine race. I thought two months of acclimatization should be enough to tackle the Allgäu-Panorama-Marathon. At the end of the day it’s just 42km and with some basic hill training I should do reasonably well on the ascents. Maybe. Well, another case of inappropriate over-confidence. On my longish mountain runs in the Tegernsee area things went pretty smoothly. But the last of these training runs was four weeks before race day. More recent runs were in the pancaky Munich area or, if in the mountains, then more hikes than runs. But as the Bavarians say: „Passt scho‘!“ (can’t translate). So I was somewhere between nervous and excited when I made my way to Sonthofen. The weather was going to be great and I’ve decided to minimize my expectations while optimizing the fun!

I was going to pitch my tent on the Iller campsite (see photo), because the price was pretty much the same as using the mass dorm that was offered by the organizers and that way I had a single room and no one snoring around me. Unfortunately, my tent was not in the state I remembered it to be. Add rock solid ground to broken tent poles and you get a tent that would make the first little pig laugh and the big bad wolf wouldn’t even have to bother with huffing and puffing to topple it over. Well, it’s just one night…

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Not quite the Hilton

I went to bed early on Saturday to catch some sleep and to watch the Ultras (70km race) start at 6am. Also there was a breakfast option at the starting line with coffee and Pretzels and that was for me the only way to down some solid food well before my own race, that would start at 8.

After I’ve seen the ultras vanish around the corner I made my way back to the tent to change into my running gear, lube the sensitive spots and cover my skin in a thick protective layer of sun blocker. Even that early it was obvious that it was going to be a warm and sunny day. Back at the start I started my Garmin to get a satellite connection but, alas, the batteries were dead. WTF? I have recharged it just a day before. Must have switched itself on accidentally while in my rucksack. Hmph! So I had to do without pace, time or distance information. Turned out to be much better than expected. Try it out sometime, there is a certain sense of freedom to it. It also doesn’t remind you all the time how bad you are…

Countdown and ready to go! The first two km went along the river Iller, slowly warming us up on easy-to-run gravel paths. There was no pushing and fighting for top spots, rather everyone was super relaxed about the race. That promised to be a nice day out in the Allgäu Alps. After leaving Sonthofen behind the course turned onto the first massive climb. I knew from studying the course profile what was lying in wait for us: climbing from 750m to 1660m within the next 10km. While most of it was runnable I decided to save my energy for the later sections. I am used to a lot of chatting on the first few k’s of a marathon, but all you could hear was panting and a few curses. But the views! The early morning light illuminated the mountains, looking down revealed lakes and villages and all around were green meadows and brown cows. Enough to (almost) make you forget the pain.

We passed the highest point of the course past empty ski lifts and from there it was downhill for a bit. The path was very steep and the gravel was very slippery, so everyone tried to navigate the switch-backs without giving in to the temptations and gravity, i.e. falling flat on their bums. Who thought, he could relax the leg muscles and catch some breath on the downhill was utterly mistaken. And once we were down the direction was up again until km 17. Amazing, though, how many spectators found their way to these remote places. Cheers and claps from all sides and forced smiles from the runners. After the final peak (at least for a while) we reached the first full aid station at Grasgehren that offered water, iso, coke, fruits and cake(!) and a very welcome shower from the garden hose. It’s time to mention the awesome volunteers, who manned the aid stations all day, standing in the searing sun being ever friendly and helpful! Thank you to all of them! I think they had at least as much fun as the runners.

Going Up...

Climbing through green meadows

Just after Grasgehren the Marathon and Ultra-Trail courses split. At this point I was already quite beaten up and just couldn’t imagine what it would be like to have 50km to go. For me it was „just“ 23. And the next section was down, down, down. From 1540m back to 760m spread over about 11km. Unfortunately this also marked the end of the trail part of the race. Most of the downhill was paved road or gravel. My calves were not amused! To add to the pain, the sun shone down relentlessly, turning this section into a real „downer“.

Finally, after what seemed like an eternity we it a flat and runnable bit, albeit it still on pavement. Here I met Larry from New Jersey. We chatted a bit and he told me that he has never run a trail race before. And, coming from NJ, mountains are probably not his daily training environment. But he did pretty well and left me standing at the next incline. I met him and his family again at the finish line, where he was already having his well deserved beer.

After following the main road for a while the course turned into a wood section. Yeah, shade! Here the path went up a bit again but nothing compared to the hammer that was lying in wait around the next bend: Before hitting the village of Obermaiselstein the course turned left and steep uphill, crossing a meadow. Completely exposed to the sun and feeling a bit queasy, I had to walk that bit. But then we hit some woods with a nice trail section over roots and steps. And that was where the cramps hit me! I’m sure it looked funny, the way I hobbled through the trees, stopping now and then to do some stretching. I never got rid of these cramps until the end of the race, which, at that point, was still some 10km to go. Most annoying, as I was feeling alright energy-wise. But I wasn’t the only one who had to hike a lot on the final stretch. Aim of the game now was to bring that baby home. So that’s what I did.

After 5 hours and 9 minutes I crossed the finish line together with Detlev from Schwaben, who I’ve picked up on the last few kilometres and we decided to chat ourselves to the finish. A personal hand shake and congratulations from race director Axel Reusch, a shiny medal, and, most important, a free beer for every runner. Never deserved it more!

What I have learned this weekend:

  • I have nailed my nutrition and energy levels, but I have to do something about the cramps
  • Running without digital helpers is freedom
  • I did pretty well on the uphills, but…
  • running downhill is not my strongest point
  • Even when it’s not going as planned, there is always room for FUN!

Summing up I have to thank the organisation for making this an unforgettable day. Congratulations to all runners who finished. I only met nice and positive people on the course and really enjoyed running and chatting with everyone of them. Just the second half of the course was a bit of a disappointment (pavement!!). Maybe next year I should run the ultra, that’s supposed to be better.

This week I am returning to training, in five weeks it’s Voralpenmarathon (52km) and in October I’ll be climbing Germany’s highest peak north of the Alps in the Harz-Gebirgslauf Marathon. No rest for the wicked!

Here is a link to the course profile:
GPSies - MRUN Allgäu Panorama Marathon 2013 42,2km, 1.412Hm

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