Karwendel(a)marsch

Dieses Wochenende war so kurios, da muss nach 2 Jahren Pause auch mal wieder ein Blog-Eintrag her. Wie schön hätte es gepasst, wenn ich nach dem Bericht vom Allgäu Panorama Marathon 2013 hier einen Bericht vom dessem großen Bruder, dem Allgäu Panorama Ultra Trail hätte schreiben können. Ich war schon seit Februar angemeldet, die Vorbereitung lief etwas dürftig, aber die Gedanken kreisten schon wild um die Idee, 70km durch die Berge zu laufen. Weil man ja gut vorbereitet sein will, wollte ich am Donnerstag noch mal eben nachschauen wann und wo ich die Startunterlagen abholen könnte. Beim Aufruf der Seite fiel mir allerdings sofort eines auf: Die Ergebnisse für 2015 waren dort veröffentlicht. Moment mal! Flugs das Datum gecheckt: APUT am 23. August. Na wunderbar! In meinem Kalender stand der 30. August. So ein Mist ist mir noch nie passiert. Nach erster Aufregung und einem Denkbier stand dann der Entschluss wenigstens eine Ersatztour durch die Berge zu machen am Wochenende.

Dank meiner Facebook-Lauffreunde sollte sich aber noch eine viel bessere Gelegenheit bieten. Danke an Lena Schindler für die Idee mit dem Karwendelmarsch. Mal schnell die groben Infos nachgelesen: Punkt-zu-Punkt von Scharnitz nach Pertisau/Achensee. 52km, 2500Hm. Klingt doch gut. Und hatte ich nicht vor ein paar Tagen gelesen, dass Frank Schouren hinfährt und noch einen Platz frei hat? Also ganz kurzentschlossen (sprich, zwei Tage vor Wettkampf) eine Mitfahrgelegenheit klargemacht. Es sah aus, als wenn es voll werden sollte, was bei 2500 maximalen Teilnehmern auf so einer Strecke eine echte Leistung ist. Aber auch hier wieder danke an Facebook und Andrea Schüßleder, die Frank und mir am Vortag vor Ort die Startunterlagen organisiert hat, so dass wir diese dann Samstag früh entgegennehmen konnten.

Doch genug der Vorbereitung, kommen wir zum Renntag. Ich habe mich mit Frank um 3.50 Uhr morgens getroffen, um den Weg an die österreichische Grenze anzutreten. Richtig wach war ich noch nicht, aber mit der richtigen Musik im Auto (Minor Threat!) gings dann. Ausserdem war Frank derart hibbelig vor Aufregung, das war fast ein wenig ansteckend. Er ist schliesslich noch nie eine so lange Strecke gelaufen. In Scharnitz mussten wir dann den etwas abgelegeneren Parkplatz nutzen, aber ein Shuttlebus hat uns dann zum Start gefahren. Dort haben wir 20 Minuten vor Start Andrea getroffen und unsere Nummern abgeholt. Jetzt musste noch der Rucksack für den Transfer zum Ziel abgegeben werden und auf Klo musste ich auch noch. Ein für diese Teilnehmermenge überschaubares Angebot an Toiletten machte dieses Unterfangen allerdings etwas langwierig, so dass ich, als der Kanonenschuss den Start signalisierte, noch in der Reihe stand. Naja, dachte ich, die Zeitmessung beginnt eh erst mit Überschreiten der Startmatte und die paar Minuten machen es jetzt auch nicht. Ha, falsch gedacht. Der Karwendelmarsch ist nämlich, nomen est omen, im Kern eine Wanderveranstaltung. Die teilnehmenden Läufer werden vor dem Wandererfeld auf die Strecke geschickt, aber wer noch auf der Schüssel sitzt darf sich nicht wundern, wenn er sich auf den ersten zwei Kilometern an Scharen von Marschierern vorbeischlängeln muss, immer Gefahr laufend einen Wanderstock ins Bein gerammt zu bekommen. Positiv betrachtet: So viele Leute habe ich noch nie in einem Rennen überholt!

Die Strecke startete mit einem kleinen Buckel auf den Karwendeltalweg, der dann für einige Kilometer beschaulich am Bach entlang führte. Die Temperaturen waren hier noch so gerade zweistellig, so dass ich ein wenig gefroren habe in den ersten Stunden. 800 Höhenmeter waren es bis zum ersten Sattelpunkt am Karwendelhaus, das nach 18 km passiert wurde. Obwohl mein Bergtraining quasi nicht stattgefunden hatte ging es mir ausserordentlich gut. Der kleine Downhill zum Ahornboden ließ sich super rollen und auch der folgende Anstieg rauf zur Falkenhütte bei km 30 ging locker von den Beinen. Ich war verwundert, dass hier schon über die Hälfte geschafft war, denn erstaunlicherweise hat noch nix gezwickt oder geschmerzt. Der folgende Abstieg in die Eng war technisch schon etwas anspruchsvoller, und nach den ganzen blutenden und zerschürften Menschen, die ich schon gesehen hatte wollte ich auch nix riskieren. Unten im Tal war dann das Ziel für diejenigen, die sich für die kurze Distanz (38km) entschlossen hatten. Hier hab ich mir auch etwas Zeit gelassen und den Tank mit leckerer Kartoffelsuppe aufgefüllt. Die Verpflegung war generell sehr gut, zweimal gab es belegte Brote, immer wieder Obst und Suppe, sowie Kräutertee, Wasser und Holundersaft. Letzterer war allerdings nicht so magenfreundlich.

Die Sonne hatte inzwischen über die Gipfel lugen können und die Strecke auf knapp 30 Grad aufgeheizt. Das sollte am jetzt folgenden Anstieg mein Untergang sein. Rauf zum Binssattel, 600 Höhenmeter auf 6 Kilometern in der prallen Mittagshitze. Hier musste ich mehrmals anhalten, um meinen Puls wieder zu normalisieren. Gut, dass ich an Salztabletten gedacht hatte. Die haben mir den Tag gerettet. Kurz nach dem Sattel kam dann eine Verpflegungsstation, die etwa die Marathondistanz markierte. Ab hier sollte es nur noch bergab gehen. Und gehen war für die meisten Leute auch die einzige Wahl, auf diesem Stück habe ich viele Läufer mit Krämpfen und anderen Beinproblemen überholt. Mir ging es ganz gut, bergab liess sich auch vorsichtig laufen. Im Tal angekommen, 8km vor dem Ziel, wandelte sich der tolle Bergpfad mehr und mehr zu einer Wanderautobahn. Am Ende war es sogar eine schnurgerade, flache, asphaltierte Straße. Der Albtraum eines Trailläufers. Und gerade hier, wo man gut hätte Zeit gutmachen können, hat mich die Kraft verlassen. Es ging einfach nicht mehr. Ich habe versucht zu laufen, aber mein Puls ist sofort in die Höhe geschossen, so dass ich die letzten Kilometer fast nur gehend zurückgelegt habe. Zügig, aber halt gehend.

Nach 8:09 Stunden und, laut meiner Uhr, 54km habe ich dann endlich das Ziel in Pertisau erreicht. Selten schmeckt Bier so gut, wie nach einem harten Lauf. Schnell (kalt) geduscht und dann überlegen, wie man von dort wieder nach München kommt. Wirklich geplant hatte ich nix. An einer Bushaltestelle habe ich dann gesehen, dass es einen Linienbus nach Jenbach gibt, und von dort kann man dann den Zug nach München nehmen. Der Bus kam auch prompt, so dass ich kurzentschlossen in einem überhitzten Bus voller Rentner zum Bahnhof gegurkt bin. Natürlich sollte der EC nach München erst eine Stunde später kommen. Dank Verspätungen wurden daraus dann 90 Minuten. Und es gibt spannendere Orte als den Bahnhof in Jenbach! Der EC war auch recht voll und wie immer, wenn es draussen warm ist, war die Klimaanlage aus. Es waren nur 5 Stationen bis München, aber auf denen konnte man reichlich Verspätung ansammeln, so dass ich letztlich um halb acht zu Hause war. Wohlgemerkt bin ich um 15 Uhr am Achensee losgefahren.

Mit meiner Leistung an dem Tag bin ich sehr zufrieden, wenn ich mir mein Trainingspensum angucke. Gegen den Leistungseinbruch am Ende muss ich noch ein Rezept finden. Natürlich kein Vergleich zu Frank, der in seinem ersten Ultra nach 4:35h den vierten Platz belegt hat (Platz 3 AK). Auf jeden Fall bin ich entschädigt für den versäumten Allgäu Ultra. 20 km mehr wären sicher nicht so leicht gewesen.

Als nächstes steht jetzt der Maintal-Ultratrail an, danach gehts zum vierten mal in den Harz zum Brockenmarathon und dann Ende Oktober der Röntgenlauf über 100km in Remscheid. Am Besten schaue ich nochmal nach, ob die Termine alle korrekt im Kalender eingetragen sind…

Hier das Dilemma auf meiner Garmin Seite: Karwendelmarsch

Hp_Karwendelmarsch_140114_neu

20150829_06572020150829_06570120150829_08131720150829_08253820150829_08441620150829_10090920150829_12294020150829_142844

facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmailby feather