Die Quadratur des Kreises

Man sollte ja öfter mal was neues ausprobieren. Wegen Abwechslung und so. Also habe ich mich an ein neues Abenteuer gewagt: 6 Stunden im Kreis laufen. Auf einer 1.5 Kilometer langen Strecke. Klingt bescheuert? Sehr richtig!

Das Sri Chinmoy Marathon Team veranstaltete nun schon zum vierten mal den „Self Transcendence 6-Stunden-Lauf“ in München. Wer Sri Chinmoy kennt, weiss dass es hier um Selbstfindung und Geist-über-Körper-Meditation geht. Spiritueller Quatsch halt. Am bekanntesten ist wohl der Sri Chinmoy Lauf in New York: 3100 Meilen (also etwa 5000km) in maximal 53 Tagen auf einer 800m Runde!!

Ganz so extrem wollte ich nun auch wieder nicht. Also habe ich mich für die Bambini-Variante im Postsportpark im Münchener Norden entschieden. Ich hatte absolut keine Ahnung, wie man sich auf sowas vorbereitet. Nach dem Karwendelmarsch vor zwei Wochen war ich aber guter Dinge, dass sechs Stunden Laufen schon irgendwie drin sind. Sorgen bereitete mir nur die Eintönigkeit der immerwiederkehrenden Bäume und Sträucher. Ich hatte mir ausgemalt, etwa 60 Kilometer schaffen zu können. Das wären dann nach Adam Riese 40 Runden. In dieser Zeit kann man jedem Kiesel auf der Strecke einen Namen geben. Aber der Reihe nach.

Ich war am Samstag morgen sehr zeitig vor Ort. Der Lauf startete gemütlich um 10 Uhr, also kein superfrühes Aufstehen notwendig. Der Zielbereich war bereits voll aufgebaut: Es gab Umkleidezelte und Taschenlager, es gab den „Zähltisch“ wo nachher die Rundenzähler jeden einzelnen Durchlauf abgehakt haben, es gab ein riesiges Buffet(!), das wirklich alles anbieten sollte, was man sich wünschen kann. Bemerkenswert auch: Dies sollte der erste, komplett vegan versorgte Lauf in Deutschland sein (spiritueller Quatsch und so, siehe oben). Aufs Wurstbrot auf der Strecke kann ich eh verzichten. Ich hatte mir zudem ein paar Gels und andere Leckereien selber mitgebracht und auf dem Selbstversorgertisch deponiert. Ausreichende Pipi- und Duschmöglichkeiten rundeten das Angebot ab.

Vor dem Start dann noch Henrik und seinen Zwillingsbruder Marek getroffen. Von der Teilnehmerliste auch die einzigen Bekannten, was mich etwas gewundert hat, findet der Lauf doch quasi vor der Haustür statt. Zum Start mussten wir dann ein paar Meter die Strecke entlang gehen, weil die Veranstalter die Startlinie so gelegt haben, dass man bei km50 genau am Verpflegungszelt vorbeikommt.

Pünktlich zum Start fing es richtig ordentlich an zu regnen. Grossartig, weil ich mich vorher dazu entschlossen habe ärmellos zu laufen. Die ersten paar Runden waren also gut kalt. Aber es hörte bald auf und die (doofe) Sonne kam raus. Es wurde sogar gegen mittag wieder ungemütlich warm. Zu Beginn des Laufs rollten die Kilometer nur so vorbei. Man machte sich noch mit der Strecke vertraut, die echt schön gelegen um den Sportpark herum unter Bäumen lief. Pro Runde gab es etwa 3(!) Höhenmeter zu bewältigen. Nach etwa 10km hatte ich auch einen guten Rhythmus gefunden, meine Beine liefen quasi alleine. Es machte sogar Spaß! Ich konnte mich nur nicht für eine Strategie entscheiden: Erst zügig Kilometer runterrasseln und nach hinten raus quälen, oder lieber erzkonservativ eine konstante Pace anstreben? Ich habs auf jeden Fall mal wieder falsch gemacht. Bis km30 lief alles problemlos, da war etwa die Hälfte der Zeit vorbei. Ich kenn ja schon meinen typischen Leistungseinbruch zwischen km 32 und 35. Hab ich immer wieder, komme da aber auch irgendwie immer wieder raus. An diesem Tag leider nicht. Ich habe mich Runde um Runde weiter geschoben, habe an der Verpflegungsstation öfter mal längere Pause gemacht und mich hingesetzt. Aber immer wieder Arsch hoch und weiter. Irgendwann bin ich die Runden dann 50/50 gegangen und gelaufen. Ich habe mir sogar, völlig untypisch bei Wettkämpfen, irgendwann Musik auf die Ohren geholt. Mir fehlte es einfach an Motivation.

Irgendwann sind aber auch sechs Stunden mal vorbei. Meine Rundenzählerin hat sich irgendwie vertan und mir bei einem Durchlauf die blaue Flagge in die Hand gedrückt, die signalisieren sollte dass man 50km voll hat. War nur leider etwas verfrüht. Aber ich habe mich in der letzten Runde angestrengt, um wenigstens auf meiner Uhr noch die 50 voll zu machen. Hat auch irgendwie geklappt: Garmin Connect

So richtig zufrieden war ich nicht, ich bin es aber auch nicht gewohnt, so lange eine laufbare Strecke zu machen. Für gewöhnlich gibts in den Ultras immer natürliche Gehpausen, die durch steile Anstiege bedingt sind. Die wahnsinnigen Höhenmeter im Sportpark galten da wohl kaum als Ausrede, weshalb zwischenzeitliches Gehen immer mit schlechtem Gewissen verknüpft war. Aber wieder was gelernt: 6-Stunden-Lauf is nix für mich! Dafür freue ich mich auf übernächste Woche, da gehts zum Maintal-Ultra nach Würzburg. Sind zwar 63km, aber wenigstens passiert da unterwegs was für Auge und Hirn.

 

Nur noch kurz: Glückwunsch an Henrik, der mit 62km den 3.Platz gemacht hat. Saubere Leistung!

Und auch noch kurz: Bilder gibts keine, weil ich keine Kamera dabei hatte.

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One Comment

  1. Danke, Björn. Schön zusammengefasst. Hab mir schon gedacht, dass der Veranstalter noch widerlichere Sachen macht ;). Es war gestern auch recht warm – absolut kein Wetter für Rekorde. Da hat auch der Regenguss am Morgen nicht geholfen.

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